Medizinisches Cannabis decarboxylieren – So funktioniert es

Wie bei vielen Dingen im Leben tun wir manches, ohne genau zu wissen, was wir eigentlich gerade
tun. Die Rede ist hier nicht von unbewusst oder bewusst, es geht um die rein rhetorische
Bedeutung von Decarboxylierung. Als Konsument beziehungsweise Anwender von Marihuana –
Produkten sollte einem klar sein, wie die medizinisch hoch potente Pflanze wirkt und wie man sie
am besten einsetzen kann.

Und hier kommt der fremd wirkende Begriff Decarboxylierung ins Spiel.

Jeder, der schon einmal medizinisches Cannabis zu sich genommen hat, wird sich in den meisten Fällen das
chemische Verfahren der Decarboxylierung zunutze gemacht haben. Die beliebtesten Formen
Cannabis zu konsumieren, sei es aus medizinischen, hedonistischen oder auch aus rituellen
Gründen (Tantra), sind das Rauchen oder Essen des verarbeiteten Pflanzenmaterials.

Doch gerade beim Essen von medizinischen Cannabis passieren, gerade als Neuling, einige Fehler und das zu sich genommene
Endprodukt wirkt nicht auf die gewünschte Weise. Im Folgenden kannst Du Dir ein paar nützliche
Informationen zum Thema aneignen.

Basics zum Thema Decarboxylierung

Der Begriff Decarboxylierung beschreibt den chemischen Prozess, bei welchem die Abspaltung von
Kohlenstoffdioxid (CO2) vollzogen wird. Dabei werden von einer bestehenden chemischen
Verbindung die CO2 – Atome abgetrennt, um einen anderen atomaren Zustand der Verbindung zu
erreichen.

Im Falle von medizinischen Cannabis geschieht das, um die Cannabinoide zu erhalten, welche auf das
zentrale Nervensystem von uns Menschen reagieren. Ohne Decarboxylierung von Cannabis kann
sich nicht die gewünschte Wirkung im Körper des Anwenders entfalten. Natürlich hat medizinisches Cannabis
auch ohne diesen Vorgang eine Wirkung, doch diese entspricht nicht dem eigentlichen Zweck der
Therapie oder Anwendung (zumindest von medizinischer Seite betrachtet).

Das heißt, wenn Du schon einmal Cannabis, ohne es vorher erhitzt oder gebacken zu haben, zu Dir genommen hast,
weißt Du jetzt warum es kaum, bis gar nicht gewirkt hat.

Merke:
In unseren medizinischen Cannabisblüten liegen die Cannabinoide überwiegend als Carboxylsäure vor – in
unseren Gefilden zu mehr als 90 %. Zur Umwandlung der THC – und CBD – Carboxylsäure (THCA
und CBDA) in das phenolische THC beziehungsweise CBD eignet sich vor allem die Erhitzung des
Pflanzenmaterials. Je höher die Temperaturen, desto kürzer ist der Zeitraum für eine optimale
Decarboxylierung. (Grotenthermen 2017) Wenn nicht genügend Hitze zugeführt wird, so ist die

Abspaltung des Kohlenstoffdioxids unvollständig, beziehungsweise findet erst gar nicht richtig
statt. Erhitzt man medizinisches Cannabis allerdings zu lange bei hohen Temperaturen, so wird es unbrauchbar
und die Cannabinoide oxidieren zu unwirksamen Substanzen. Damit demnach ein optimales
Ergebnis erzielt wird, müssen der Zeitraum und die Temperatur der Erhitzung mit Bedacht gewählt
werden.

Wichtige Tipps zur richtigen Decarboxylierung

Gemäß einer Untersuchung an der Universität von Mississippi aus dem Jahr 2016 erhielt man
folgende Ergebnisse:

  • Bei einer Temperatur von 100 Grad Celsius findet eine vollständige Decarboxylierung
    frühestens nach 60 Minuten statt.
  • bei 110 Grad Celsius frühestens nach 30 Minuten
  • bei 130 Grad Celsius frühestens nach 9 Minuten
  • bei 145 Grad Celsius frühestens nach 6 Minuten

Durch die Erhitzung des Cannabis auf 210 Grad Celsius wird die Decarboxylierung innerhalb von
wenigen Sekunden vollzogen (bis zu 98 % vollständige Decarboxylierung).
Neben den bereits genannten Fehlerquellen (zu langes Erhitzen bei zu hohen Temperaturen und
zu kurzes Erhitzen bei zu niedrigen Temperaturen) kann es bei unsachgemäßer Decarboxylierung
außerdem passieren, dass sich die Cannabinoide verflüchtigen, beziehungsweise verdampfen,
ohne jemals in den Körper aufgenommen zu werden.

Hierzu sollte man wissen, dass die über 100 verschiedenen Cannabinoide, welche in der Pflanze vorkommen unterschiedliche Temperaturen
zur vollständigen Decarboxylierung benötigen.

  •  THC beginnt bereits ab einer Temperatur von 157 Grad Celsius zu verdampfen
  •  CBD hingegen erst bei Temperaturen zwischen 160 – 180 Grad Celsius

In einer Untersuchung wurde festgestellt, dass nach 7 Minuten bei 145 Grad Celsius die höchste
Konzentration von phenolischem THC erreicht werden kann. (Grotenthermen 2017)

Nun weißt Du wie Du Dein medizinisches Cannabis am effektivsten decarboxyliert und kannst das beste Ergebnis
für Dich persönlich bestimmen. Abschließend sei gesagt, dass von der Bundesopiumstelle
empfohlen wird, das Decarboxylieren durch eine Teezubereitung zu vollziehen.