In vielen Teilen der Welt ist ein starker Rückgang der Bienenbevölkerungsdichte zu verzeichnen. Infolge dieses Bienensterbens bzw. der ausbleibenden Bestäubung durch Bienen hat dies fatale Folgen für unsere Erde. Können Hanfbauer dabei helfen, dieses Problem zu lösen?

Seit vielen Jahren taucht in den Medien immer wieder der Begriff „Bienensterben“ auf. Und tatsächlich ist weltweit ein starker Rückgang der Dichte von Bienenvölkern zu beobachten. Infolge dessen haben bereits Umwelt- und Gesundheitsbehörden verschiedene Maßnahmen eingeleitet, um diesen „Völkerkollaps“ einzudämmen.

Gründe für das Bienensterben

Der eine Grund für das Bienensterben existiert nicht. Vielmehr wirken verschiedene Faktoren gleichzeitig auf die Bienen. Hierzu gehören unter anderem:

  • Insektizide: Ob nun in der Landwirtschaft oder im eigenen Garten – Insektenvernichtungsmittel treffen nicht nur die Schädlinge, sondern auch andere Insekten wie die Bienen. Systemische Insektizide stellen eine besonders große Gefahr dar, da sie sich in allen Pflanzenteilen verteilen.
  • Cocktaileffekt: Die Bienen nehmen auch aus der Luft (z. B. Abgase aus dem Verkehr) und dem Wasser verschiedene Gifte auf. Dieser Chemikaliencocktail kann gravierende Auswirkungen auf die Tiere haben.
  • Monotone Agrarlandschaften: Im konventionellen Getreide- und Maisanbau finden Insekten weder Blühpflanzen noch verlassene Höhlen für ihre Nester, da hier nichts blüht.
  • Flächenfraß: Durch die Ausbreitung von Verkehrs-, Siedlungs- und Industrieflächen verlieren Insekten ihren Lebensraum.
  • Klimawandel: Viele Pflanzen blühen aufgrund der Erderwärmung früher als noch vor Jahrzehnten, was den Rhythmus von Pflanzen und Insekten durcheinanderbringt. Durch die langen Trockenheitsphasen und milden Winter werden die Tiere zusätzlich gestresst.
  • Überzüchtung: Die Bienenzucht wurde lange Zeit auf Bienen ausgerichtet, die besonders viel Honig produzieren. Aufgrund dieser Überzüchtung verlieren die Tiere jedoch ihre Widerstandskraft.

Bienen nutzen männliche Hanfpflanzen als Pollenquelle

Hanf wird vom Wind bestäubt und benötigt keinen Nektar, der Insekten anzieht. Aus diesem Grund werden Bienen in der Regel auch nicht von Hanf angezogen. Da aber aktuell ein starker Blütenmangel existiert, können die Hanfblüten durchaus zu einer wichtigen Pollenquelle werden.

Dass Hanfblüten für Honigbienen (apis mellifera) interessant sein können, konnte eine Studie aus dem Jahr 2012 zeigen. So gibt es im Mai und Juni im indischen Punjab einen Blütenmangel und während dieser Zeit nutzten die Bienen die wild wachsenden männlichen Hanfpflanzen als Pollenquelle. Den Forschern zufolge handelte es sich um Bienen, die sich auf die Pollensammlung spezialisiert hatten, da die Hanfblüten keinen Nektar produzieren.

Weiter beobachteten die Forscher, dass die Bienen lediglich morgens und abends die männlichen Hanfblüten zur Nahrungsaufnahme nutzten. Den Grund hierfür sahen die Forscher darin, dass die Spaltung der Fortpflanzungsorgane bei den männlichen Blüten, um Pollen freizugeben (Dehiszenz der Staubbeutel) nur morgens und abends stattfindet. Sie schlussfolgerten, dass Bienen nur von männlichen Hanfpflanzen angezogen werden, und dass auch nur während der Perioden des Blütenmangels und zu den Zeiten, in denen die Produktion der Pollen am höchsten ist.

Versuche in der Schweiz gegen das Bienensterben

Der Verein Schweizer Hanf-Freunde hatte im Jahr 2009 in der Ostschweiz einen Versuch durchgeführt und platzierte 24 Honigbienenvölker an Hanffeldern oder gab ihnen Hanfsirup. Vorstandsmitglied Peter Brunner erklärte, dass dadurch lediglich 10 statt bis zu 50 Prozent der Bienen im Winter gestorben seien. Als Grund führte Brunner an, dass Hanf wie ein Antibiotikum wirken könne.

Richard Wyss vom Verein Deutschschweizer und Rätoromanischer Bienenfreunde erklärte in einem Medienbericht, dass er es nicht vollkommen ausschließen könne, dass Hanf gegen das Bienensterben helfen könne. Dennoch sei er skeptisch, da man ihm immer wieder neue „Wundermittel“ gegen das Sterben der Bienen anbiete. Weiter führte er aus, dass solch ein Versuch viel größer angelegt werden müsse, um wissenschaftliche Beweise zu finden.

Was können Hanfbauern gegen das Bienensterben tun?

Während die Ergebnisse des Versuchs in der Schweiz noch nicht aussagekräftig genug sind, könnten jedoch die Ergebnisse der indischen Studie für Hanfbauern interessant sein. Da nur männliche Hanfpflanzen als Nahrungsquelle für Bienen dienen können, könnten die Bauern dazu übergehen, vorwiegend auch nur männliche Pflanzen anzubauen. Damit könnten sie der lokalen Bienenpopulation vor allem während der Blütenmangel-Perioden einen wichtigen Dienst leisten.

Quellen:

IOSR Journal of Pharmacy and Biological Science, Dr. Jasvir Singh Dalio, 2012, „Cannabis sativa – An Important Subsistence Pollen Source for Apis mellifera

20 Minuten, Schweiz, 2010, „Hanf als Hilfe gegen Bienensterben?