Hanf-Tinkturen, -Urtinkturen, Essenzen – immer wieder wird über diese und ihre Verwendungsmöglichkeiten berichtet. Aber was ist eigentlich der Unterschied, und wie kann solch eine Hanf-Tinktur eigentlich selbst hergestellt werden?

Für eine Hanf-Tinktur gibt es verschiedene Verwendungsmöglichkeiten. So kann es innerlich angewendet werden, indem einige Tropfen unter die Zunge gelegt werden oder aber auch äußerlich, indem es beispielsweise in eine Hautlotion gemischt wird. Außerdem kann es zum Beispiel morgens das Müsli oder mittags den Salat verfeinern.

Unterschiede zwischen Urtinkturen, Tinkturen und Essenzen

Der aus der Homöopathie stammende Begriff Urtinktur beschreibt beispielsweise Kräuterauszüge oder auch pflanzlichen Presssaft, der mit Alkohol gemischt wird. Dabei können verschiedene Herstellungsverfahren Anwendung finden. So ist eine Urtinktur sowohl aus frischen als auch getrockneten Pflanzenbestandteilen herstellbar. In der Regel erfolgt jedoch die Herstellung aus frischen Pflanzenbestandteilen, um alle Inhaltsstoffe zu gewinnen. Beim Trocknungsvorgang können diese hingegen verloren gehen. Zudem ist es möglich, eine Urtinktur mithilfe des Abkochens oder der Fermentation zu gewinnen.

Die Begriffe Tinkturen und Essenzen werden zwar häufig für Flüssigkeiten oder Auszüge verwendet, jedoch gibt es hier Unterschiede. Denn Essenzen sind eine Konzentration, die durch verschiedene Verfahren, wie zum Beispiel Destillieren, Abkochen oder Filtrieren, hergestellt wird. Wenn eine alkoholische Tinktur reduziert wird, ist es eine Essenz. Deshalb kann die Essenz auch als Konzentrat bezeichnet werden.

Eine Tinktur wird hingegen mithilfe der Mazeration aus pflanzlichen Grundstoffen gewonnen. Meist kommt als Extraktionsmittel Alkohol oder Öl zur Anwendung. In Apotheken werden laut dem Deutschen Arzneibuch lediglich getrocknetem Pflanzenmaterial mazeriert. Jedoch ist eine Tinktur auch aus frischem Pflanzenmaterial herstellbar.

Herstellung von Hanf-Tinkturen

In der Regel erfolgt die Herstellung von Hanf-Tinkturen mithilfe von Alkohol. Denn mit Alkohol ist die Tinktur länger haltbar. Am besten eignen sich Bio-Hanfblüten und -Hanfpflanzenbestandteile. Enthält das Pflanzenmaterial chemische Verunreinigungen oder Pestizide würden diese sich ebenfalls in der Tinktur auflösen und konzentrieren.

Für die Herstellung werden etwa 50 Gramm getrocknete Pflanzenbestandteile auf 200 Milliliter Lösungsmittel (Alkohol 35 %vol.) benötigt. Bevor aber mit der Herstellung begonnen wird, muss das Hanfpflanzenmaterial noch decarboxyliert werden. Denn der Hanf enthält Cannabinoidsäuren wie THCA oder CBDA, die mithilfe der Decarboxylierung in aktive Wirkstoffe (THC und CBD) umgewandelt werden. Hierfür wird das Hanfplanzenmaterial unzerkleinert auf einem Blech für ca. 12 bis 15 Minuten in den Backofen bei 140 bis 160 Grad gesteckt. Nach dem Abkühlen können das Material dann zerkleinert werden, beispielsweise mithilfe eines Mörsers.

Nun kann das zerkleinerte Pflanzenmaterial in ein Behältnis (z. B. Marmeladenglas) gegeben werden. Anschließend mit dem Alkohol übergießen, das Behältnis schließen und kräftig schütteln.

Für 10 bis 14 Tage sollte das Behältnis nun in einem dunklen Raum stehen. Zudem sollte das Glas alle fünf Tage einmal geschüttelt werden. An der bräunlichen Färbung des Alkohols ist erkennbar, wie weit die Tinktur ist. Wer eine starke Tinktur bevorzugt, kann das Glas auch länger als zwei Wochen stehen lassen. Wichtig ist nur, dass es vor der Sonneneinstrahlung geschützt wird.

Herstellung von alkoholfreien Hanf-Tinkturen

Natürlich ist es auch möglich, eine Hanf-Tinktur ohne Alkohol herzustellen. Da die Cannabinoide in der Hanfpflanze fettlöslich sind, kann auch Öl (z. B. Hanfsamenöl oder Olivenöl) für die Herstellung der Tinktur genutzt werden. Zu beachten ist hier, dass eine ölige Tinktur nur begrenzt (ca. zwei bis drei Wochen) haltbar ist. Außerdem sollte die Tinktur im Kühlschrank aufbewahrt und einmal pro Tag geschüttelt werden. Damit wird verhindert, dass sich Schimmel bildet.