Zucker ist weit schädlicher als medizinisches Cannabis

Zucker und medizinisches Cannabis haben eine Gemeinsamkeit: Sie können glücklich machen! Während Cannabis jedoch von vielen als gefährliche Droge verteufelt wird, schenkt man dem gemeinen Haushaltszucker kaum Beachtung – und das, obwohl die Zuckersucht einen weitaus größeren gesundheitlichen Schaden anrichten kann. Hinzu kommt: Zucker weist ein höheres Suchtpotenzial auf als Cannabis.

Natürlich handelt es sich bei Zucker und medizinischen Cannabis um zwei sehr unterschiedliche Stoffe. Mit Zucker ist hier der kristalline Haushaltszucker sowie die einfachen Kohlenhydrate aus verarbeiteten Nahrungsmitteln gemeint, die auch als „ungesunde Kohlenhydrate“ bezeichnet werden. Sowohl Zucker als auch medizinisches Cannabis haben aber gemeinsam, dass sie sich positiv auf die Stimmung auswirken können. Der langfristige und übermäßige Konsum beider Stoffe kann aber auch gesundheitliche Nachteile haben.

Folgen eines zu hohen Zuckerkonsums

Ein langfristiger und zu hoher Zuckerkonsum wirkt sich nicht nur auf die Zahngesundheit aus, sondern begünstigt auch einen Diabetes mellitus und Übergewicht. Zudem kann der erhöhte Zuckerkonsum beispielsweise noch mit folgenden Erkrankungen in Zusammenhang gebracht werden:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen:
    Viele Studien weisen darauf hin, dass Zucker kardiovaskuläre Erkrankungen mitverursachen kann. [1]
  • Alzheimer:
    Zucker steht im Verdacht, die Alzheimer-Krankheit zu begünstigen.[2]
  • Cholesterinspiegel:
    Zucker kann sich negativ auf den Cholesterinspiegel und die Blutfettwerte auswirken. [3]
  • Krebs:
    Verschiedene Studien haben gezeigt, dass sich Krebszellen vermutlich unter anderem von Zucker ernähren.[4]
  • Depressionen:
    Ein regelmäßiger Zuckerverzehr kann das Risiko für psychische Störungen wie Depressionen erhöhen.[5]

Dass ein hoher Zuckerkonsum Diabetes mellitus auslöst, stimmt nur bedingt. Hauptursachen sind eine falsche Ernährung, mangelnde Bewegung sowie Übergewicht. Hierdurch kann die Leber verfetten, was wiederum zu einer Insulinresistenz der Leber und schließlich zur Diabetes-Erkrankungen führen kann.

Folgen eines langfristigen medizinischen Cannabiskonsums

Ende 2017 wurden die Ergebnisse[6] einer umfangreichen wissenschaftlichen Analyse veröffentlicht. Hierin heißt es unter anderem:

  • Während der akuten Cannabis-Wirkung können Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeit und Psychomotorik beeinträchtigt sein.
  • Ein regelmäßiger Cannabiskonsum kann zu Defiziten in der Gedächtnisleistung führen. Allerdings ist das Bild dieser Beeinträchtigungen nicht so eindeutig wie beim akuten Cannabiskonsum. Es fanden sich keine Belege, dass ein langfristiger Cannabiskonsum die Intelligenz mindert. Die kognitiven Defizite durch einen chronischen Konsum scheinen nur vorübergehend zu sein.
  • Es konnte nicht abschließend geklärt werden, ob das Einstiegsalter auf langfristige Störungen der Kognition einen Einfluss besitzt.
  • Der akute Cannabiskonsum kann die Blutgefäße erweitern, den Puls beschleunigen und einen Bluthochdruck verursachen. Eine Risikobewertung dieser organischen Effekte im Zusammenhang mit einem langfristigen Cannabiskonsum kann aktuell nicht erfolgen.
  • Die Studienlage zeigt keinen Zusammenhang zwischen dem chronischen Cannabiskonsum sowie Kopf-, Hals- und Lungenkrebs. Es finden sich aber Hinweise auf Hodenkrebs.
  • Ein chronischer Cannabiskonsum kann hirnstrukturelle Veränderungen hervorrufen, insbesondere im Hippocampus und Amygdala, die für die Gedächtnisbildung von Bedeutung sind.
  • Das Risiko für Depressivität und Angststörungen ist bei einem dauerhaften Cannabiskonsum leicht erhöht. Das Gleiche gilt für psychotische Störungen.

Was sagen Statistiken?

Todesfälle durch den akuten Konsum von Zucker oder medizinischen Cannabis können wissenschaftlich nicht belegt werden. Bisher sind auch nur zwei Fälle[7] bekannt, bei denen der Cannabiskonsum als Todesursache angenommen wird bzw. trat der Tod infolge eines plötzlichen Herzstillandes ein. Es ist unklar, ob und wie der Cannabiskonsum Herzrhythmusstörungen auslöst. Einer Studie zufolge soll in den ersten 60 Minuten nach dem Cannabiskonsum ein erhöhtes Herzinfarktrisiko bestehen. In Bezug auf die langfristigen Folgen des Cannabiskonsums existieren keine statistischen Daten.

Laut dem Statistischen Bundesamt[8] und der Weltgesundheitsorganisation[9] sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzkrankheiten und Herzinfarkte die häufigste Todesursache. Im Jahr 2015 starben in Deutschland 356 616 Menschen an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Zweithäufigste Todesursache waren Krebsleiden (226 337 Todesfälle).

Dazu im Vergleich: In Deutschland ist die Zahl der Drogentoten leicht gesunken[10]. Im Jahr 2017 verstarben 1 272 Menschen wegen des Konsums illegaler Drogen. Mit 707 Fällen waren Vergiftungen mit Heroin, Morphin und Opioiden die häufigste Todesursache. 87 Menschen verstarben infolge des Konsums von Crack und Kokain. An den Folgen des Alkoholkonsums sterben jedes Jahr rund 74 000 Menschen, an den Folgen des Zigarettenkonsums sind es rund 110 000 Menschen.

Wie macht Zucker süchtig?

Forscher der Princeton University konnten im Jahr 2008 aufzeigen, wie sich eine Zuckersucht entwickeln kann. Im Rahmen einer Studie[11] wurden Laborratten zunächst zwölf Stunden lang nicht gefüttert. Anschließend erhielten die Tiere unbegrenzte Mengen an Zucker. Als man den Tieren nach vier Wochen keinen Zucker mehr gab, zeigten sie klassische Entzugserscheinungen wie bei einer Abhängigkeit von harten Drogen wie Kokain.

Zucker aktiviert die gleichen Hirnregionen wie beispielsweise Kokain oder Tabak. Nach dem Konsum von Zucker entstehen Glücksgefühle und der Wunsch nach mehr Zucker, denn dieser wirkt stark auf das Belohnungssystem im Gehirn und sorgt dafür, dass Dopamin und Endorphine ausgeschüttet werden. Infolge dessen sorgen diese körpereigenen Stoffe dafür, dass ein noch größeres Verlangen ausgelöst wird. Bei einem langfristigen Drogen- oder eben auch Zuckerkonsum fällt jedoch die Dopamin-Konzentration. Um den gleichen Effekt zu erzielen, muss der Konsum erhöht werden.

Wie genau Zucker auf das Gehirn wirkt, hat das Oregon Research Institute untersucht. Rund 100 Schüler tranken Milchshakes mit einem hohen Zucker- oder Fettgehalt. Die Ergebnisse[12] zeigten zwar, dass sowohl fetthaltige als auch zuckerhaltige Milchshakes das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert hatten, die zuckerhaltigen Milchshakes aktivierten das Belohnungsnetzwerk jedoch deutlich stärker.

Macht medizinisches Cannabis süchtig?

Medizinisches Cannabis hat ein breites Wirkungsspektrum. Dabei hängt die Wirkung von unterschiedlichen Faktoren, wie zum Beispiel der Konsumform, der Dosis sowie der Persönlichkeit und den Erwartungen des Konsumenten ab. Die Fragen, ob, und wenn ja, wie Cannabis abhängig macht, sind immer wieder Bestandteil vieler Studien. Es wird angenommen, dass ein regelmäßiger Cannabiskonsum psychisch abhängig machen kann[13]. Zudem können auch milde körperliche Entzugssymptome auftreten, die sich jedoch nicht mit der Entzugssymptomatik bei harten Drogen wie Heroin oder Kokain vergleichen lassen.

Fazit

Zwar lassen sich Zucker und medizinisches Cannabis nicht direkt vergleichen, da es sich bei dem einen um ein Nahrungsmittel und bei dem anderen um eine psychoaktive Substanz handelt und dementsprechend auch körperlich anders wirken, dennoch kann ein indirekter Vergleich Aufschluss darüber geben, ob Cannabis tatsächlich eine gefährliche Droge ist. Sieht man sich die Folgeerkrankungen an, die durch einen erhöhten Zuckerkonsum entstehen und die daraus resultierenden Todesfälle, scheint Zucker tatsächlich wesentlich gefährlicher zu sein als medizinisches Cannabis. Dennoch darf Cannabis natürlich nicht verharmlost oder sogar als gesund bezeichnet werden. Auch hier lauern gesundheitliche Risiken, insbesondere dann, wenn Cannabis mit Tabak konsumiert wird. Wie bei allem gilt es scheinbar auch bei Cannabis und Zucker, dass die Dosis das Gift macht.

 

 

[1] ÄrzteZeitung, 2014, „Herz-Kreislauf: Sterberisiko steigt mit Zuckerkonsum

[2] Department of Electrical Engineering and Computer Science, MIT Cambridge, MA, USA, Seneff S1 et al., 2011, „Nutrition and Alzheimer’s disease: the detrimental role of a high carbohydrate diet“

[3] Nutrition and Health Science Program, Graduate Division of Biological and Biomedical Sciences, Emory University, Atlanta, GA, USA, Vos MB et al., 2010, „Caloric sweetener consumption and dyslipidemia among US adults“

[4] Department of Medicine, David Geffen School of Medicine, University of California, Los Angeles, California 90024, USA, Liu H1 et al., 2010, „Fructose induces transketolase flux to promote pancreatic cancer growth“

[5] Department of Epidemiology and Public Health, University College London, London, WC1E 6BT, UK, Knüppel A1 et al., 2017, „Sugar intake from sweet food and beverages, common mental disorder and depression: prospective findings from the Whitehall II study“

[6] Bundesministerium für Gesundheit, 2017, „Cannabis: Potential und Risiken (CaPRis)“

 

[7] Pharmazeutische Zeitung, 2014, „Cannabis: Doch nicht so harmlos?“

[8] Statistisches Bundesamt, „Die 10 häufigsten Todesursachen im Jahr 2015“

[9] Word Health Organization (WHO), 2018, „The top 10 causes of death“

[10] Zeit Online, 2018, „Zahl der Drogentoten leicht gesunken“

 

[11] Department of Psychology, Princeton University, Princeton, NJ 08540, USA, Avena NM1 et al., 2008, „Evidence for sugar addiction: behavioral and neurochemical effects of intermittent, excessive sugar intake“

[12] Oregon Research Institute, Eugene, OR, Stice E1 et al., 2013, „Relative ability of fat and sugar tastes to activate reward, gustatory, and somatosensory regions“

[13] Deutscher Hanfverband, „Cannabis-Wirkung, Nebenwirkungen und Risiken“